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Die drohende Fußball-Superliga in Europa – Eine Betrachtung aus sportökonomischer Sicht

Nachdem der SPIEGEL Ende 2018, im Rahmen der Football-Leaks-Enthüllungen, geheime Pläne der europäischen Fußball-Top-Clubs über eine geschlossene Superliga veröffentlichte, geisterte wieder ein bereits bekanntes Gespenst durch Europas Fußballwelt.

Fußball-Superliga sportökonomisch sinnvoll?

Bietet das Modell einer Fußball-Superliga eine ernstzunehmende Alternative?

Was war passiert?
Laut Recherchen eines Journalisten-Netzwerkes ist für das Jahr 2021 der Start einer europäischen Super League geplant. An ihr sollen 16 europäische Top-Fußballklubs (elf Gründungsmitglieder und fünf „Gäste“) teilnehmen. Zu den Gründungsmitgliedern würden Fußball-Schwergewichte, wie z.B. Real Madrid, FC Barcelona, Manchester United, Juventus Turin und auch der FC Bayern München gehören, während Borussia Dortmund als einer der „Gäste“ vorgesehen ist. Die Superliga soll rein privatwirtschaftlich und damit abgekoppelt vom europäischen Fußballverband UEFA organisiert werden. Die Teilnahme hätte ein zwangsweises Aussteigen der jeweiligen Vereine aus der UEFA Champions League zur Folge und auch ein Ausscheiden aus den nationalen Ligen wäre aller Wahrscheinlichkeit nach der Fall. Die Gelder aus der Ligavermarktung würden gemäß der Aktienanteile, die die Vereine an der Superliga halten würden, verteilt werden. Der FC Bayern München besäße demnach ca. 8,3 Prozent an der Liga. Grundsätzlich soll diese nach US-amerikanischem Vorbild organisiert sein, in der ein sportlicher Auf- oder Abstieg ausgeschlossen ist.

Für viele Fußballfans stellten diese Pläne einen Verrat am Fußball dar. Das BVB-Fan-Magazin schwatzgelb.de sprach gar von einer „Kriegserklärung“ an den Fußball.
Nachdem sich die Wogen inzwischen geglättet zu haben scheinen, ist es an der Zeit, sich mit dem Thema nüchtern und aus sportökonomischer Sicht auseinanderzusetzen. Hierbei stellt sich aus Sicht der potenziellen Superligisten die Frage, welcher Nutzen und welche Kosten grundsätzlich mit dem Beitritt zu einer europäischen Superliga verbunden wären?

Der Nutzen einer Superliga
In der Ökonomie geht man im Falle von Wirtschaftsunternehmen, wie der FC Bayern München eines ist, von Gewinnmaximierung als oberste Handlungsmaxime aus. Diesem Prinzip zufolge ist für die Bayern eine Teilnahme an der Superliga nur dann lukrativ, wenn der durch die Teilnahme an der Superliga erzielte Nutzen, die damit verbundenen Kosten übersteigt.
Der wichtigste Faktor im Entscheidungskalkül der Clubbosse dürfte die höhere Zahlungsbereitschaft der Nachfrager (Fans, Sponsoren, Fernsehsender) nach Spitzenfußball sein. In den letzten Jahren ist die Nachfrage nach Tickets und Bezahlfernsehen (Sky, DAZN etc.) deutlich gestiegen.

Diese Nachfrage nach Fußballspielen wird im Wesentlichen von der Unsicherheit des sportlichen Ergebnisses und durch das Auftreten von Superstars bestimmt. Oftmals ist in Ligen, wie z. B. der Fußball-Bundesliga, der französischen Ligue 1 oder der italienischen Serie A von einer stetig zunehmenden Langeweile die Rede, die vor allem durch die Dominanz der jeweiligen Spitzenklubs ausgelöst wird. In einer Superliga, in der alle Top-Clubs Europas versammelt sind, wäre ein Optimum an Spannung zu erwarten. Durch ihre besondere Stellung sowie der lukrativen Verdienstmöglichkeiten hätte die Superliga zudem eine anziehende Wirkung auf sämtliche Superstars im weltweiten Profifußball. Ein konstant hohes spielerisches Niveau mit maximaler Spannung wäre die logische Folge, das der Zuschauer aller Voraussicht nach mit einer hohen Zahlungsbereitschaft honorieren würde.

Zusätzlich erhalten die Vereine durch das Wegfallen des Abstiegsrisikos maximale Planungssicherheit. Dies dürfte vor allem den englischen Klubs, wie z.B. Manchester United, Tottenham Hotspur, Arsenal oder Chelsea London zugutekommen, die bereits in der jüngsten Vergangenheit - durch das Verpassen der Champions League Qualifikation - Umsätze in Millionenhöhe verloren haben.
Die Clubverantwortlichen gehen also davon aus, dass eine entsprechend hohe Nachfrage nach dieser Superliga existiert und dass sie durch diese Liga höhere Einnahmen generieren können, als in ihren jeweiligen nationalen Ligen und den von der UEFA ausgerichteten Wettbewerben (Champions League, Europa League).

Die Kosten einer Superliga
Die Teilnahme an der Superliga bringt jedoch auch Kosten für die Teilnehmer mit sich. Der gewichtigste Faktor in der Entscheidung der Vereinsverantwortlichen dürfte der potenzielle Imageschaden für die jeweilige Vereinsmarke sein. Das Verlassen der heimischen Liga, um einer elitären Superliga beizutreten, könnte den Eindruck einer Zwei-Klassen-Gesellschaft im Fußball weiter schüren und zu europaweiten Protesten und schlimmstenfalls Ausschreitungen führen. Auch Boykotte wären denkbar.
Zudem würden die nationalen Ligen durch das Fehlen ihrer Aushängeschilder und Publikumsmagneten deutlich an Strahlkraft und Vermarktungspotenzial verlieren. Enttäuschungen und Frustrationen auf Seiten der Ligaverantwortlichen könnten letztendlich darin enden, dass eine etwaige spätere Rückkehr der Superligisten in ihre nationalen Ligen von vornherein ausgeschlossen wird.

Zudem kommen auf die Superligisten im Falle eines Beitritts jede Menge rechtliche Unklarheiten zu. Bleiben die Spielerverträge gültig, wenn sie aus der UEFA aussteigen? Dürfen die Spieler weiter in ihren Nationalmannschaften spielen? Können die Verbände die Vereine etwa wegen Einnahmeverlusten verklagen? Können die Spieler ihre Verträge bei einem Wechsel in die Superliga aufkündigen und ablösefrei wechseln?

Zuletzt gilt es noch zu bedenken, dass durch das Abhalten der Spiele in ganz Europa sowie die wahrscheinliche Spieltagsterminierung unter der Woche, den Fans der Superligisten der Konsum von Live-Spielen im Stadion erschwert wird. Somit würde sich zu den bereits genannten Kosten einer Superliga auch noch ein potenzieller vereinsinterner Disput mit den eigenen Fans dazugesellen.

Fazit
Letztlich liegt die Entscheidung, ob  einer der in Frage kommenden Fußballklubs in eine europäische Superliga einsteigt, beim jeweiligen Vereinsvorstand. Sie ist eine individuelle unternehmerische Entscheidung mit Risiken, die von Externen nur schwer beurteilt werden können, da jeder Manager die aufgeführten Kosten und den aufgeführten Nutzen einer Superliga unterschiedlich gewichtet. Tendenziell dürften nach sportökonomischer Sichtweise die Vorteile für den Klub, insbesondere in ökonomischer Hinsicht, überwiegen.
All jene, die jedoch meinen, dass der Fußball mit der Gründung einer Superliga zu Grabe getragen werden würde, sollten sich in aller Ruhe folgende Frage stellen: Wird ein Fan des FC St. Pauli, des SC Freiburg oder von Borussia Mönchengladbach in Zukunft nicht mehr die Spiele seines „Herzensvereins“ verfolgen, nur weil der FC Bayern München nicht mehr in der Bundesliga, sondern in der Super League spielt?

Arbeitsmarkt "Liga" als Inhalt bei den Sportökonomie-Studiengängen der DHfPG
Im Bachelor- und Master-Studiengang Sportökonomie erwerben die Studierenden der Deutschen Hochschule für Prävention und Gesundheitsmanagement unter anderem ausführliche Kenntnisse über die ökonomischen Besonderheiten einer Liga, über den Arbeitsmarkt im Ligasport und über die Faktoren, die die Nachfrage nach sportlichen Wettkämpfen bestimmen. Zudem lernen sie sämtliche Grundlagen der Vermarktung im Sport kennen und bekommen darüber hinaus die Möglichkeit, ihr erlerntes Wissen in ausgewählten Fallstudien gezielt anzuwenden, um praktische Probleme in der Sportbranche zu lösen.

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