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Die Kniebeuge – Herausforderung und Notwendigkeit für den modernen Sitzmenschen

Die Kniebeuge ist eine der bekanntesten und viel diskutiertesten Übungen im Kraft- und Fitnesstraining. Darüber hinaus auch eine der gängigsten Bewegungsmuster im Alltag. Bei Hinsetzen, Aufstehen und Heben schwerer Gegenstände ist das Bewegen aus den Beinen allgegenwärtig.

Wie mache ich die richtige Kniebeuge?

Die Kniebeuge ist eine der bekanntesten Übungen im Fitnesstraining

Der Vorteil der Kniebeuge ist neben dem Alltagstransfer auch durch den hohen Einsatz von Muskelmasse zu sehen. Die gesamte Muskulatur der Beine inklusive der Hüfte wird hier dynamisch, die rückenstabilisierende Muskulatur statisch beansprucht. Diese Vorteile lassen sich jedoch nur adäquat nutzen, wenn die Bewegung, Beweglichkeit, Stabilität und Koordination gesichert und willkürlich ausführbar ist. Auch wenn diese Bewegung eigentlich ein Standard sein soll ist immer öfter zu sehen, dass Trainierende bei der Ausführung überfordert sind. Denn die genannten Vorteile stellen gleichzeitig auch die Herausforderungen dar. Vor allem die Ausführung mit Zusatzlast ist eine Belastung für nahezu den ganzen Körper. Angefangen bei den Sprunggelenken, die mobil sein müssen. Hier zeigen sich Defizite im Bereich der Waden. Die Kniestabilität ist ein weiterer Aspekt, den es zu beachten gilt. Die Kniebeuge ist eigentlich eine eher hüftdominante Übung, die durch eine Hüftstreckung ausgeführt wird. Die Gewichtslasten bedeuten eine axiale Druckbelastung für die Wirbelsäule mit Schwerpunkt Brust- und Lendenregion. Eine dosierte Druckbelastung wird als effektiver Trainingsreiz gesehen. Untrainierte Personen oder Patienten mit einer gering belastbaren Wirbelsäule klagen oft über ein Missempfinden im Rücken, noch bevor die eigentliche Zielmuskulatur, die Beine, angestrengt werden. Dies sollte vor allem als ein Hinweis zum Handlungsbedarf gesehen werden: Rumpf stärken und für solche Belastungen vorbereiten. Darüber hinaus stellt die Übung Kniebeuge auch eine Herausforderung an die Beweglichkeit der Schulterregion dar. Die genannten Herausforderungen stellen vor allem bei den „modernen Sitzmenschen“ anfänglich oft eine Überforderung dar.

Diese Tatsache sollte jedoch nicht dazu führen eben solche Übungen zu meiden, sondern gezielt den Bewegungsapparat auf eine ausreichende Stabilität und Mobilität zu trainieren. Das Beherrschen dieser Übung kann demnach als Gradmesser für eine solide Belastbarkeit verstanden werden. Dieser Umstand ist für jede Lebenslage zu beachten, in besonderem jedoch für ältere Menschen, denn das koordinative Beherrschen diese Bewegungsmustern gilt als Sturzprophylaxe. Um den Weg zu einer solchen Leistungsfähigkeit zu finden ist eine professionelle und engmaschige Trainingsbetreuung jedoch grundlegend.

Über den Autor:

Prof. Dr. Daniel Kaptain ist Sportwissenschaftler, Autor und Dozent an der Deutschen Hochschule für Prävention und Gesundheitsmanagement