DHfPG News

Für ein Stück mehr Gesundheit im Reich der Mitte

Technologisch ist China eines der innovativsten und führenden Länder weltweit. Das Gesundheitssystem ist allerdings lange nicht so ausgereift, wie das deutsche. Die Gründung eines der ersten Reha-Studios in Peking, welches auch weiterführende Medizinische Trainingstherapie anbietet, war ein Schritt hin zu deutschen Gesundheitsstandards in Chinas Hauptstadt. Tamara Ruhberg, Master-Absolventin an der Deutschen Hochschule für Prävention und Gesundheitsmanagement, lebt nicht nur seit anderthalb Jahren in der 21 Millionen-Einwohner-Stadt, sondern war maßgeblich an der Gründung dieses Reha-Zentrums beteiligt.

Tamara Ruhberg nach dem Studium nach China

Tamara Ruhberg hat den Schritt ins Reich der Mitte gewagt

Produktschulungen in chinesischen Krankenhäuser

Die Master-Absolventin führt auch Produktschulungen in chinesischen Krankenhäusern durch

Gruppenkurse in China leiten

Auch Trainingseinheiten leitet die 27-Jährige

CityReha Peking

Das Team des Reha-Zentrums im Herzen von Peking

Im zweiten Anlauf richtiges Studium gefunden
Als Tamara Ruhberg in Pinneberg ihr Abitur bestand und sich Gedanken um ihre Zukunft und um ihr Studium machte, dürfte sie nicht im Traum daran gedacht haben, dass sie mit heute 27 Jahren in einer der größten Städte der Welt lebt und dort neben ihrer erfolgreichen Arbeit fleißig Chinesisch lernt. „Im Grunde genommen blieb ich nach meinem Abitur zunächst sehr bodenständig. Ich bin zwar von zuhause ausgezogen, aber nur, um ein Jura-Studium in Kiel zu beginnen“, erinnert sie sich. Doch mit den Monaten erkannte sie, dass ihre eigentlichen Interessen woanders lagen. „Die Fakultät der Rechtswissenschaften lag in direkter Nachbarschaft zum Sportinstitut und Sportgebäude, welches ich von Anfang an viel spannender und interessanter empfunden habe.“ Nach einem Jahr brach sie das Jura-Studium ab und machte sich auf die Suche nach einem Studiengang, der besser zu ihr passt und eine gute berufliche Perspektive bietet. „Ich wollte nicht einfach nur Sport studieren. Nur Bewegung erschien mir etwas einseitig und nicht nachhaltig genug. Meine Eltern sahen das ähnlich und machten sich auch um meine Verdienstaussichten Sorgen.“ Also suchte ich nach einem generalistischen Studium und wurde bei meiner Recherche bei der Deutschen Hochschule für Prävention und Gesundheitsmanagement fündig. Der duale Bachelor-Studiengang Fitnessökonomie, der zum einen aus Trainingswissenschaften, aber zum gleichen Teil auch aus Wirtschaftswissenschaften bestand, entsprach dabei meinen persönlichen Interessen und Vorstellungen.“ Nachdem sie einen Infoabend am Studienzentrum in Hamburg besuchte, war sie überzeugt. Das Studiensystem an der Deutschen Hochschule, kurz DHfPG, besteht aus einem Fernstudium mit kompakten Präsenzphasen, welche die gebürtige Pinnebergerin im nahe gelegenen Hamburg absolvieren konnte. „Mein Vater war Chirurg, ein total begeisterter Mediziner. Meine Mutter ist in der Altenpflege und war als Krankenschwester tätig. Die Gesundheit war immer ein großer Bestandteil und höchstes Gut in der Familie. Für mich erschien es spannend herauszufinden, was den Menschen gesund hält, sodass er gar nicht erst zum Arzt oder in die Reha muss.“ Zum dualen Bachelor-Studium an der DHfPG fehlte ihr nur noch ein Ausbildungsplatz. Diesen fand sie am Sportlife-Hotel Elmshorn, welches seinen Kunden ein umfangreiches Sport- und Wellnessangebot bereitstellt.

Studieninhalte in der Praxis umgesetzt
Das Bachelor-Studium Fitnessökonomie spiegelte für die engagierte Norddeutsche von Beginn an ihre Interessen viel besser wieder, als ihr Jura-Studium. „Ich habe Studium, Ausbildung und Freizeit sehr gut miteinander vereinbaren können. Das duale Studium hilft einfach, als junger Mensch selbstständig zu werden. Die Arbeitswoche und das Studium zusammen zu organisieren, bringt einen relativ schnell zu gutem Zeitmanagement und Priorisierung. Dazu kam das generalistisch und interdisziplinär angelegte Studium, welches genau das richtige für Studenten ist, die noch nicht genau wissen, was später einmal ihr Spezialgebiet werden soll. Und so ging es vielen meiner Freundinnen in unserer Klasse.“ Außerdem konnte sie die Studieninhalte regelmäßig während ihrer Ausbildung im Sporthotel in die Praxis umsetzen, wobei sie als stellvertretende Studioleiterin mehr Inhalte der Trainingswissenschaften umsetzen konnte. „Ich war sowohl im Trainingsbereich im direkten Kundenkontakt als auch in der Verwaltung oder im PR-Bereich tätig. Insofern hat es mir mein Ausbildungsbetrieb ermöglicht, viele Studieninhalte umzusetzen und Erfahrung zu sammeln. Als Studierende war es natürlich auch ein sehr positiver Nebeneffekt dabei noch Geld zu verdienen“, führt sie aus. Das duale Studiensystem allgemein, hält sie für einen echten Erfolgsfaktor für die gesamte deutsche Wirtschaft. „Erst kürzlich habe ich eine Doku gesehen, über den wirtschaftlichen Erfolg Deutschlands. Ein großer Faktor war das duale Studiensystem, welches Studenten ermöglicht, tatsächlich Erfahrung in echten Firmen zu sammeln, die wiederum recht ressourcensparend Fachkräfte bekommen.“

Master-Studium angeschlossen und beruflich neu orientiert
Mit dem erfolgreichen Ende des Bachelor-Studiums ergab sich für die heute 27-Jährige die Chance, bei einer Eventagentur zu beginnen. Da sich Tamara Ruhberg aufgrund der Vielschichtigkeit ihrer Interessen noch nicht sicher war, wohin sie ihre berufliche Zukunft führen sollte, ergriff sie diese Chance und arbeitete fortan bei der Agentur, die auf das Konzipieren außergewöhnlicher Events, unter dem Motto: „Genuss und Spektakel“ spezialisiert hat. Dort konnte sie ihr Bachelor-Studium erfolgreich abschließen und wurde sogar in ein festes Angestelltenverhältnis übernommen. „Hochzeiten und Tagungen von A-Z planen, organisieren und durchführen. Es gab viel zu tun, ich habe viele Menschen getroffen und viel über Zwischenmenschliches gelernt.“ Aber auch der Wunsch danach, ihre Kompetenzen nach dem erfolgreich abgeschlossenen Bachelor-Studium noch weiter zu vertiefen, bestimmte ihr weiteres Handeln. Da sie schon während des Erststudiums sehr gut mit der Vereinbarkeit von Arbeit und Studium zurechtkam, entschied sie sich für ein weiterführendes Master-Studium an der Deutschen Hochschule, parallel zu ihrer Arbeit im Veranstaltungsbereich. „Das one-on-one Training war sehr intensiv, auf persönlicher Ebene habe ich unseren Kunden viel weiterhelfen können, Gesundheitsverhalten zu verstehen, und vor allem motivatorische Aspekte anwenden zu können, aber irgendwann fand ich das nicht mehr effizient genug, um meine Ziele zu erreichen. Ich wollte Strategien kreieren können, die möglichst vielen Menschen helfen und sie befähigen, Gesundheit zu fördern“, erklärt sie ihre Beweggründe. Darum entschied sie sich für den Master-Studiengang Prävention und Gesundheitsmanagement. Auch das Master-Studium an der DHfPG besteht aus einem Fernstudium mit kompakten Präsenzphasen. Dabei konnte Tamara Ruhberg sich zwei von insgesamt 13 zur Verfügung stehenden Studienschwerpunkten auswählen und entschied sich für „Sportpsychologische Trainingstechniken“ sowie „Betriebliches Gesundheitsmanagement“. Betriebliches Gesundheitsmanagement erschien mir als richtiges Setting, um möglichst viele Menschen zu erreichen.“

Master-Thesis bei einer BGM-Unternehmensberatung
Das Master-Studium an der DHfPG ist auf vier Semester angelegt. Nachdem Tamara Ruhberg die ersten anderthalb Jahre neben der Arbeit bei der Eventagentur absolvierte, erfuhr sie von Bekannten von der Möglichkeit, die Master-Thesis bei einer Hamburger Unternehmensberatung aus dem Bereich Betriebliches Gesundheitsmanagement zu schreiben. „Dies war mein Weg zurück in die Branche, in der ich auch mein Studium absolviere. Ich habe dort ein Vollzeitpraktikum gemacht und an meiner Master-Thesis gearbeitet.“ Ihre Abschlussarbeit mit dem Thema: „Beurteilung des Zusammenhangs zwischen einem gesundheitsförderlichem Lebensstil und der Produktivität im Unternehmen – ein systematischer Review“ sollte sie später sogar auf dem Präventionskongress 2017 in Stuttgart in Form eines Vortrags präsentieren dürfen. Das Master-Studium forderte aber auch sehr viel Energie, gerade in Verbindung mit ihrer Arbeit und so entschied sich Tamara Ruhberg nach dem Master-Abschluss für eine Auszeit vom Lernen und vom Arbeiten.

Koffer gepackt und erste Auslandserfahrung gesammelt
„Ich habe diesen Drang verspürt, alles auf null zu setzen, etwas Neues zu sehen, neue Kulturen kennenzulernen und habe mich auf eine fünfmonatige Reise durch Südostasien gemacht. Alleine mit dem Rucksack die Welt erkunden – ein Abenteuer, was ihren persönlichen Horizont erweiterte und sie noch ein Stück weiter öffnete und fokussierte, was ihre weitere berufliche Zukunft angeht. Denn wieder in der Heimat angekommen, wurde ihr bereits eine neue Perspektive in Asien geboten, genauer gesagt in China. „Als ich mit meiner Freundin darüber gesprochen habe, was ich zukünftig beruflich machen möchte, erzählte sie mir, dass ihr Bruder praktisch genau in diesem Bereich beruflich tätig ist, und zwar in China.“ Aus dem Gespräch mit der Freundin wurde schnell ein Vorstellungsgespräch mit deren Bruder und anschließend mit dessen Geschäftspartner.

Von Pinneberg nach Peking
Die Gespräche verliefen für die gebürtige Pinnebergerin sehr erfolgreich und so entschied sie sich schon kurze Zeit später, ihren neuen Lebensabschnitt in Chinas Hauptstadt Peking zu beginnen. Das dortige chinesisch-europäische Unternehmen ist seit über 15 Jahren als Spezialist für Rehabilitationstechnologie und -Konzepte am Markt etabliert. Dabei vertreibt das Mutterunternehmen unter anderem deutsche und amerikanische Reha-Geräte und Geräte für die Medizinische Trainingstherapie an chinesische Krankenhäuser und führt landesweit entsprechende Produktschulungen und Trainings durch. „Es war nicht leicht zu Beginn, die Sprache, die Mentalität, die fremde Kultur zu verstehen. Gerade die Sprache zu lernen ist natürlich wahnsinnig schwer. Es ist auch nicht so, dass man immer mit Englisch weiterkommt. Aber es war für meine persönliche Weiterentwicklung natürlich ein großer Schritt“, beschreibt sie. Ihr Aufgabengebiet beschreibt sie zu Beginn ihrer Tätigkeit vor etwa anderthalb Jahren als spannend und zugleich herausfordernd. „Es geht dabei um die Entwicklung von Konzepten in Sekundärprävention und Rehabilitation für Krankenhäuser, Privatpersonen und die Eröffnung eines eigenen Reha-Studios. Aktuell sind landesweit Zugang und Verfügbarkeit zu qualifiziertem Personal und entsprechenden Einrichtungen viel zu knapp.“

China als Entwicklungsland im Gesundheitsbereich
Technologisch sei das Land in vielen Bereichen dermaßen fortgeschritten, gehe es aber um das Gesundheitssystem, sei China noch ein Entwicklungsland. Seit dem letzten Jahrzent rücke die Verbesserung des Sozialwesens in den Fokus politischer Bemühungen. Diesen Trend erkennend haben sich Tamara Ruhberg und ihr Arbeitgeber zur Aufgabe gesetzt, ein Stück mehr Gesundheitsbewusstsein und deutsche Medizin in das Reich der Mitte zu transportieren. Zu Beginn ihrer Tätigkeit hat sie mit ihren Kollegen, die teilweise aus Deutschland und teilweise aus China kommen, ein Goal-Setting und Qualitätsmanagement- sowie Lehrmodule für die Krankenhäuser der ferneren Umgebung entwickelt. Es folgte die Eröffnung eines Reha-Zentrums mitten in der 21-Millionen-Einwohner Metropole, bei der sie als „Health Consultant“ maßgeblich beteiligt war. „Bisher gibt es eigentlich nur in den Krankhäusern selbst Reha-Abteilungen. Durch unsere evidenzbasierten Therapiekonzepte, die sich nach deutschen Standards richten und unsere Fokussierung auf aktive Medizinische Trainingstherapie, verfügen wir über ein Alleinstellungsmerkmal. Die deutsche Medizin genießt hierzulande ein sehr hohes Ansehen und wird sehr interessiert aufgenommen.“ Auch Hausärzte sucht man in Peking vergebens. Bei einem Krankheitsfall oder einer Verletzung suchen die Chinesen direkt das Krankenhaus auf oder gehen gar nicht erst zum Arzt. Da die gesetzliche Krankenkasse für ambulante Rehabilitationsleistungen kaum Kosten übernimmt und schon gar nicht für Medizinische Trainingstherapie, kommt die Zielgruppe von „CityReha“, wie das neu gegründete Reha-Zentrum im Herzen von Pekings heißt, aus der oberen sozialen Schicht. „Wir haben um uns herum die Automobilindustrie, wozu zum Beispiel Daimler, BMW oder Mercedes zählen. Diese Firmen verfügen natürlich über sehr viele deutschsprachige Mitarbeiter, die ebenfalls aus Deutschland nach China gezogen sind. Insgesamt sprechen wir über etwa 40 Prozent deutsche Kunden an, die wir in unserem Zentrum betreuen. Die Chinesen kommen meist aus der Oberschicht, wie Anwälte oder Bankdirektoren.“ Knapp anderthalb Jahre nach der Gründung hat sich das Reha-Zentrum bereits etabliert und Master-Absolventin Tamara Ruhberg trägt täglich ihren Teil dazu bei, dass der Bekanntheitsgrad weiter steigt. „Die Kombination von Health Science und Management-Erfahrung ist eine großartige Gelegenheit für mich, eine effektive Grundlage für eine Rehabilitationseinrichtung aufzubauen. Indem ich an der Prozessstruktur arbeite, kann ich indirekt zum Genesungserfolg und zur Rehabilitationserfahrung jedes Patienten beitragen“, erklärt sie.