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Krankenkassen wollen Daten von Fitness-Armbändern nutzen

Viele Bürger greifen beim Training auf digitale Fitness-Anwendungen zurück. Versicherungskonzerne haben den Trend erkannt und locken gesundheitsbewusste Nutzer mit Tarifvergünstigungen. Doch verstößt dies nicht gegen den Datenschutz?

"Bachelor of Arts" Fitnessökonomie

Der jüngste Vorstoß der Techniker-Krankenkasse (TK), Daten von Fitness-Armbändern in der elektronischen Patientenakte zu speichern, stößt bei anderen Versicherungskonzernen auf Zustimmung. Generali kündigte bereits vor längerem an, für seine Berufsunfähigkeitsversicherung Daten über Fitness und Lebensstil sammeln zu wollen. Dabei würden Kunden, die ihr gesundes Leben per App dokumentierten, Gutscheine und Rabatte bei Prämien gewährt. Und die DAK-Gesundheit bezuschusst Smartwatches und Fitness-Tracker. Voraussetzung dabei: Die Geräte müssen mit einer entsprechenden App ausgestattet sein und der Kunde muss die Dokumentation seiner Gesundheitswerte belegen.

Verbraucherschützer und Patientenvertreter schlagen derweil Alarm. Und auch Justizminister Heiko Maas warnt. In einem Interview für n-tv erklärte der SPD-Politiker, dass er selbst die sogenannten „Wearables“ - kleine Computer-Geräte, die direkt am Körper getragen werden, nutze. Natürlich sei es interessant, beim Blick auf das Handgelenk nicht nur seine Zeit zu erfahren, sondern auch die Pulsfrequenz. Seine Daten speichere er, werte sie am Computer aus und hoffe, dass auch nur er sie auswerte. Das mache er nur zur sportlichen Kontrolle und nicht für die Krankenkasse.
Die Versicherungen erklären wiederum, der Kunde sei weiterhin Herr über seine Daten. Laut einer vom Verbraucherministerium in Auftrag gegebenen YouGov-Studie befürchten viele Menschen aber auch Risiken bei der Nutzung von Wearables oder Apps. 39 Prozent sehen demnach die Verwendung durch Dritte als Problem. Jeweils ein knappes Drittel fürchtet falsche Messwerte oder falsche Gesundheitstipps.

Skeptiker fürchten, dass es irgendwann nicht nur Bonuszahlungen für vorbildliches Verhalten geben könnte, sondern Menschen mit einem ungesunden Verhalten nicht mehr versichert werden könnten. Bei privaten Versicherungen ist das möglich. Bei gesetzlichen hingegen verbietet das bislang das Solidarprinzip: Es besagt, dass jeder aufgenommen wird und alle gemeinsam die Kosten des Einzelnen tragen müssen. Nach Ansicht von Heiko Maas dürfen die Krankenkassen in Deutschland die Daten aus Fitness-Trackern deshalb nicht dazu verwenden, besondere Tarife anzubieten.
Eine Frage der Datensicherheit

Das im Dezember verabschiedete E-Health-Gesetz der Bundesregierung sieht eine insgesamt stärkere Digitalisierung des Gesundheitswesens vor. Künftig sollen auf der elektronischen Gesundheitskarte viel mehr Patientendaten gespeichert werden, ab 2018 etwa Röntgenaufnahmen oder Ergebnisse von Blutuntersuchungen. In einem Patientenfach sollen Versicherte auch eigene Daten, etwa von Wearables und Fitness-Armbändern, ablegen können. Bisher ist geplant, dass die Patienten allein darüber entscheiden, wer Zugriff darauf hat. Dennoch wird bereits seit Langem diskutiert, inwiefern sensible Gesundheitsdaten auf der elektronischen Patientenkarte sicher sind.

Als Fitnessökonom in den wachsenden „Wearable“-Markt einsteigen

Technologien zur Selbstvermessung haben den Sprung vom Nischenprodukt zum Massenmarkt längst gemeistert. 90 Millionen Wearables wie z. B. Activity Tracker oder Smart Watches wurden allein im vergangenen Jahr verkauft. Und damit nicht genug: Bis Ende 2018 soll die Zahl laut Marktforschungsinstituten auf rund 485 Millionen Einheiten weltweit ansteigen. Tragbare, intelligente Uhren und Armbänder sind demnach längst nicht mehr nur für Technik-Nerds vorbehalten, sondern auch für das ganz normale Fitness-Studio-Mitglied interessant. Als Absolvent eines dualen Bachelor-Studiums der Fitnessökonomie an der Deutschen Hochschule für Prävention und Gesundheitsmanagement öffnet sich dadurch ein Markt, den nun auch schon die Krankenkassen für sich entdeckt haben. Ob sie für die Kassen nutzbar sind oder nicht, hilfreich für das Training und technisch immer ausgereifter werden die Wearables, und für die Trainierenden mehr und mehr unverzichtbar. Das schafft neue Stellen in einer bisher weitgehend unbeachteten Branchensparte.