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Trotz Karriereende im Sport nochmal durchstarten

Für Joelle Tesche war nach ihrer mehr als erfolgreichen Triathlon-Laufbahn, unter anderem mit zwei Olympiateilnahmen, klar, dass sie auch nach der Karriere ihrer Leidenschaft zum Sport nachgehen möchte. Seit nun einem Jahr studiert sie den dualen „Bachelor of Arts Sportökonomie“ an der DHfPG. Die dazugehörige Ausbildung absolviert sie beim Landessportverband für das Saarland (LSVS).

Joelle Tesche kann auf eine erfolgreiche Triathlonkarriere zurückschauen

Zweimal durfte sie bei den Olympischen Spielen starten

Neben der aktiven Talentförderung gehört auch die Organisation zu ihren Aufgaben

Die eigenen Erfahrungen an junge Talente weitergeben

Nicht viele können von sich behaupten mit 15 Jahren bereits deutsche Meisterin und Jugend-Europameisterin im Triathlon gewesen zu sein. Für Joelle Tesche, gebürtige Franzmann, sind dies nur einige ihrer zahlreichen Titel, die sie während ihrer 16 jährigen professionellen Triathlon-Karriere sammeln durfte. Nebenbei hatte sie 2000 in Sydney und 2004 in Athen die Ehre als Olympionikin ins olympische Dorf einzuziehen. Heute ist die 37-Jährige zweifache Mutter und möchte mit dem dualen Studium „Bachelor of Arts“ Sportökonomie den Grundstein für eine erfolgreiche Karriere in der Sportbranche legen.

Von klein auf dem Sport verbunden
Schon in jungen Jahren begann Joelle Tesche mit dem Triathlon. Sie selbst war Schwimmerin, aber als sie sah wie viele Pokale ihr älterer Bruder mit dem Triathlon gewann, stand für sie fest: „Das will ich auch machen“. Mit viel Ehrgeiz und drei- bis viermal täglichem Training erarbeitete sie sich in den Disziplinen Schwimmen, Laufen und Radfahren die nötigen Fähigkeiten, um schon in jungen Jahren auf dem Erfolgstreppchen zu stehen. Gefördert wurde das Ganze durch ihre schulische Laufbahn, die sie auf einem Sportgymnasium in Kaiserslautern absolvierte. Während andere für Mathe- und Deutscharbeiten schufteten, wurde sie kurzerhand mit 15 Jahren Jugend-Europameisterin 1994. Nur ein Jahr später wurde sie Junioren-Vize-Weltmeisterin in Mexiko.

Die Bundeswehr - der nächste Schritt
Nach ihrem Abitur im Jahr 1998 folgte der Schritt Richtung Bundeswehr. „Nach dem Abitur war mir klar, dass ich sportlich noch mehr erreichen möchte. Die Bundeswehr mit ihrer Sportfördergruppe war der beste Weg, um Sport und Beruf in Einklang zu bringen“, erzählt sie. Sie verpflichtete sich für 12 Jahre als Zeitsoldatin und absolvierte weiterhin ihr tägliches Training. „Während der Zeit beim Bund wurde ich super unterstützt und hatte keinerlei Probleme meine Karriereziele weiterhin zu verfolgen“, berichtet die gebürtige Pfälzerin.

2000 zu Gast im Mutterland des Triathlons
Ihr tägliches Training zahlte sich aus, als sie 2000 als Olympionikin nach Sydney, zu den Olympischen Sommerspielen reiste. Mit einer Zeit von 02:05:26 wurde sie bei ihrer ersten Olympia-Teilnahme 21te. „Alleine die Kulisse der Zuschauer am Rand miterleben zu dürfen, war eines der schönsten Erlebnisse. Ich denke sogar, dass es das Highlight meiner Karriere war“, schildert sie. 2004 erlangte sie wiederum die Qualifikation für die Olympischen Sommerspiele, diesmal in Athen, und schloss ihre zweite Teilnahme als 16te ab. Einer der größten Erfolge konnte sie 2008 feiern, als sie Weltmeisterin bei den Militärweltmeisterschaften im estländischen Otepää wurde.

Nach der Karriere ist vor der Familie
2009 beendete sie vorläufig ihre aktive Sportlaufbahn, nachdem sie 2008 trotz der Form ihres Lebens die olympischen Spiele in Peking verpasste, und widmete sich ihrer privaten Karriere. „Der Frust von 2008 saß tief und nahm mir auch ein wenig die Motivation, mich vier weitere Jahre auf höchstem Niveau zu bewegen“, erklärt sie. Die 37-Jährige verbrachte einige Jahre zu Hause und kümmerte sich um ihre beiden Töchter, die heute 4 bzw. 6 Jahre alt sind. „Nach der sehr zeitintensiven und anstrengenden Profi-Laufbahn war es mir wichtig mein privates Leben in den Vordergrund zu rücken. Als die jüngste Tochter in den Kindergarten ging, fand ich, dass es wieder Zeit wurde sich aktiv zu betätigen“, beschreibt sie.

„Mit dem dualen Studium habe ich eine super Lösung gefunden“
Die 37-Jährige konnte sich schnell für das spezielle Studiensystem der Deutschen Hochschule für Prävention und Gesundheitsmanagement, das eine betriebliche Ausbildung und ein Fernstudium gespickt mit kompakten Präsenzphasen kombiniert, begeistern. „Ich habe mein ganzes Leben Sport betrieben. Von daher war ein Studium im Bereich Sport die einzig logische Konsequenz“, merkt sie an. Einige Studieninhalte, gerade aus dem Bereich der Trainingslehre, waren ihr aufgrund ihrer langjährigen Sportlerkarriere schon bekannt. „Viele Studieninhalte sind mir in meiner Triathlon-Karriere schon über den Weg gelaufen. Es ist sehr schön die Erfahrungen nun mit einem Studium zu vertiefen“, deutet sie an.

Betriebliche Ausbildung beim Landessportverband für das Saarland (LSVS)
Die betriebliche Ausbildung, die Teil des speziellen Studiensystems der DHfPG ist, absolviert die ehemalige Triathletin beim Landessportverband für das Saarland im Bereich der Talentförderung. Gerade die Möglichkeit, schon während ihrem Studium praktische Erfahrungen zu sammeln, findet Joelle Tesche enorm wichtig. „Zuerst dachte ich an eine Ausbildung, da ich unbedingt praktische Erfahrungen sammeln wollte. Dadurch kam für mich auch kein Vollzeitstudium an einer Universität in Frage. Dass ich nun durch das Studium an der DHfPG, Studium und praktische Erfahrungen kombinieren kann, ist nur von Vorteil“, erklärt die zweifache Olympionikin.

Das Auge für die nächsten Talente
Bei ihren Aufgaben bei der Talentförderung Saar kann Joelle Tesche mit den Erfahrungen ihrer eigenen Laufbahn glänzen. „Man kann schon an den Bewegungsabläufen der Kinder erkennen, wer etwas mehr Talent und Potenzial hat als der Rest“, erzählt sie. Zur Talentsichtung gehören auch sportmotorische Aufnahmetests, bei denen Grundschüler der vierten Klasse bezüglich ihrer sportlichen Leistungsfähigkeit getestet werden. Dabei können sich die Schüler für die Aufnahme in eine Sportklasse an einer der weiterführenden Partnerschulen der Talentförderung Saar empfehlen. Des Weiteren führt sie Trainingseinheiten im Bereich Kraft und Ausdauer mit Sportschülern durch, die verletzungsbedingt am regulären Unterricht an der Sportschule nicht teilnehmen können. Zur Talentförderung gehört allerdings nicht nur die aktive Sichtung der Talente, sondern auch die Organisation von verschiedenen Projekten. So war die 37-Jährige 2016 an der Organisation des jährlich stattfindenden „Talentetags“ des LSVS beteiligt, an denen die Partnerschulen der Talentförderung Saar in einem Vergleichskampf gegeneinander antreten. „Es macht unglaublich viel Spaß, schon jetzt solche Projekte mitorganisieren zu dürfen. Gerade das breitgefächerte Aufgabenfeld, das ich jetzt schon innehabe, macht die Arbeit unglaublich interessant“, freut sie sich. Neben solcher Projekte ist sie auch in der Planung, der ebenfalls jährlich stattfindenden saarländischen Schullaufmeisterschaften in Merzig, involviert.

Eigenorganisation ist das A und O
Trotz der Belastung durch Familie, Studium und betriebliche Ausbildung kommt sie mit den Studieninhalten und der Vorbereitung auf die Präsenzphasen gut zurecht. „Sicherlich ist es anstrengend Studium, Familie und Beruf unter einen Hut zu bekommen. Aber durch das Fernstudium und den zur Verfügung gestellten Studienordnern kann man sich das Lernen individuell einteilen“, erklärt Joelle Tesche. Während den 2-4 tägigen Präsenzphasen, die alle 4-6 Wochen stattfinden, vertiefen die Studierenden dann die Inhalte der Studienbriefe. „Die Dozenten schaffen es auch manch trockenen Inhalt sehr gut aufzulockern, wodurch auch nicht unbedingte Lieblingsthemen sehr interessant gestaltet werden“, schildert Joelle Tesche.

Hobby zum Beruf gemacht
Schon jetzt ist Joelle Tesche mit ihrem Studium und der dazugehörigen betrieblichen Ausbildung beim Landessportverband des Saarlandes mehr als zufrieden. Trotz der sicherlich herausfordernden Verknüpfung von Familie, Beruf und Studium lässt sie sich nicht aus der Ruhe bringen: „Natürlich gibt es auch mal Zeitpunkte, an denen man sich motivieren muss. Aber die Hochschule ist stets als Ansprechpartner vor Ort und gibt viele Hilfestellungen, die das Ganze erleichtern. Außerdem ist es im Studium wie im Sport: Von nichts, kommt nichts“, fasst die gebürtige Pfälzerin zusammen.