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Vom Fitnesstrainer im Gefängnis zum Manager bei Mrs.Sporty

Für Nico Gumlich war sein duales Bachelor-Studium Fitnessökonomie mehr als nur das Erwerben von Fachkompetenz und das Sammeln von berufsrelevanter Praxiserfahrung. Es war vor allem für seine Persönlichkeitsentwicklung entscheidend. Er lernte viel über sich, aber auch über die Kunden, die er als Trainer betreute. Im Anschluss arbeitete er unter anderem über vier Monate als Personal Trainer in einer Justizvollzugsanstalt, wo er Gefangene fit machte. Heute ist der 27-Jährige Presales Manager für die DACH-Region bei Mrs.Sporty, dem europäischen Marktführer im Bereich Frauenfitness.

 

Nico Gumlich

Nico Gumlich arbeitete als Personal Trainer in einer Justizvollzugsanstalt

Bereits im Alter von 14 Jahren entdeckte Nico Gumlich seine Leidenschaft für den Kraftsport. „Als Jugendlicher fand ich es natürlich spannend, wie durch das Training der eigene Körper wächst und wie es sich nicht nur physisch, sondern auch psychisch auswirkt, da gleichzeitig auch das Selbstbewusstsein steigt“, denkt er zurück. Nach dem Abitur wollte er kein Studium aus Vernunft beginnen. „Ich war eher blauäugig, habe nicht geschaut mit welchem Studium ich schnell viel Geld verdienen kann, sondern für was mein Herz schlägt. Meine Leidenschaft für Sport und Fitness war dabei entscheidend. Ich erkundigte mich nach Studiengängen im Bereich der Sportwissenschaft, wobei mir dieses Feld zu breit war. Bei meiner Recherche wurde ich dann schließlich auf eine Stellenanzeige des EMS-Anbieters „Bodystreet“ aufmerksam. Dort wurde ein duales Studium im Bereich Fitnessökonomie angeboten.“ Die Mischung aus Trainingswissenschaften und Betriebswirtschaft kam ihm genauso entgegen wie die Lust, mit Menschen zu arbeiten. „Ich wusste damals noch nicht, dass die Fitnessbranche beziehungsweise gerade die EMS-Branche einen echten Boom erleben sollte.“

 

Viel im zwischenmenschlichen Bereich gelernt

An die Zeit als EMS-Trainer denkt er gerne zurück. „Da habe ich so viele verschiedene Persönlichkeiten aus den unterschiedlichsten Teilen der Gesellschaft kennengelernt. Gerade im EMS-Bereich ist ein vertrauensvolles Verhältnis zu den Kunden wichtig, da die Trainer mit maximal zwei Personen gleichzeitig arbeiten. Ich fand es immer spannend, Termine mit zwei unterschiedlichen Persönlichkeiten zusammen zu buchen. Ich habe mich zu dieser Zeit sehr viel mit der Soziologie des Menschen auseinandergesetzt.“ Das duale Studium in Verbindung mit seiner frei gewählten Vollzeitstelle als Trainer war für ihn eine echte „Challenge“, wie er sagt. „Der Belastungsgrad war hoch, aber ich habe von Jahr zu Jahr gemerkt, wie sich meine Persönlichkeit entwickelt. Ich habe in dieser Zeit sehr viel über mich gelernt und am Ende war ich stolz, dass ich diese 3,5 Jahre durchgezogen habe. Diese Expertise hätte ich in einem rein theoretischen Studium niemals sammeln können!“

 

Vergleich duales Studium und Vollzeitstudium

Nico Gumlich weiß wovon er redet, wenn er das duale Studium mit einem Vollzeitstudium vergleicht. Schließlich schloss er noch einen Master im Sportmanagement an der Universität in Leipzig an. „Während des Master-Studiums bin ich regelmäßig mit einer Lawine an Informationen zugeschüttet worden. Da gefiel mir die Methodik der Wissensvermittlung an der DHfPG viel besser. Dort hatte ich fantastische Dozenten, die Studieninhalte mit ihrer Praxiserfahrung und anhand von konkreten Beispielen wunderbar vermitteln konnten.“ Das Vollzeitstudium wurde dem 27-Jährigen schnell zu theoretisch. Er fing an, auf selbstständiger Basis als Personal Trainer und Vertriebsberater zu arbeiten. Dann las er von einer Stellenausschreibung, die ihn sofort packte. „Als ich davon gelesen habe, wusste ich genau: Das will ich machen!“

 

Fitnesstrainer in der Justizvollzugsanstalt

Von August bis Dezember 2018 trainierte er wöchentlich etwa 15 Gefangene in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Heidering bei Großbeeren. „Ich kann mich noch genau an den Moment erinnern, als ich das erste Mal in das Gefängnis gegangen bin. Es war natürlich unheimlich spannend und ich war sehr nervös.“ Ein Justizvollzugsbeamter sagte dann zu ihm: „Sie sind groß und breit gebaut, das sind schon mal gute Vorzeichen, um sich Respekt zu verschaffen.“ Die Zeit, welche er als Trainer in der JVA erlebte, sollte ihn weiter prägen. „Ich wusste nicht, warum die einzelnen Menschen hinter Gittern saßen. Das war vielleicht auch gut so. Ich konnte mit ihnen wunderbar arbeiten und mir jede Menge spannende Geschichten anhören. Ich denke, dass es Menschen sind, die mitunter aus schwierigen Gegenden kommen, bei denen das Elternhaus nicht als gutes Vorbild diente und sie über falsche Freunde und einem nicht intakten Wertesystem auf die schiefe Bahn gerieten. All dies bietet eine Annahme dafür, dass sie in den elementarsten Situationen des Lebens keine stabile Grundlage für die richtigen Entscheidungen hatten. Er stellte den Häftlingen die Chance vor, dass Fitnesstraining mehr sein kann als nur Sport und eine Möglichkeit der Selbsttherapie darstellt, mit der sie im Anschluss ihrer Gefängniszeit einen neuen Lebensabschnitt beginnen können. „Ich bin sehr froh, dass ich den Mut hatte, dieses Projekt umzusetzen. Ich habe das normalerweise so selbstverständliche Freiheitsgefühl wieder viel bewusster empfinden können. In dieser Zeit habe ich für mich außerdem herausgefunden, dass die Klischees gegenüber Häftlingen, die man vor allem medial geprägt erhält, sich nicht bewahrheitet haben.”

 

Vom Gefängnis zu Mrs.Sporty

Das Studium erfolgreich abgeschlossen, wollte er sich einer neuen Aufgabe widmen. Der gebürtige Berliner, der mittlerweile in Potsdam lebt, recherchierte nach Karrieremöglichkeiten bei erfolgreichen Fitnessunternehmen in der Region. In Berlin befindet sich unter anderem die Zentrale von Mrs.Sporty. Beim europäischen Marktführer im Bereich Frauenfitness bekam er die Chance, als Presales Manager für die DACH-Region zu arbeiten. „Während der Onboarding-Phase bei Mrs.Sporty wurde ich natürlich auch im Trainingsbereich eingesetzt. Da waren meine 1,90 m und 110 kg im Gegensatz zum Gefängnis natürlich erst einmal eine Herausforderung in den reinen Frauenstudios.“ Als Presales Manager für die Region Deutschland, Österreich und die Schweiz unterstützt er aus der Zentrale heraus die Franchisenehmer dabei, bereits vor der Studioeröffnung Mitgliedschaften zu verkaufen. „Wir setzen gemeinsam Marketingmaßnahmen um und zeigen den Teams vor Ort auf, dass es möglich ist, bereits mit einer gewissen Zahl an Mitgliedschaften zu eröffnen. Ich vergleiche das gerne mit der Geburt eines Babys. Meine Aufgabe ist es, das Baby so lange zu begleiten, bis es alleine laufen kann.“ Derzeit gibt es etwa 330 Mrs.Sporty-Studios in der DACH-Region. Mrs.Sporty ist mit ca. 450 Clubs Markführer für Frauenfitness in Europa. „Auch bei meiner aktuellen Tätigkeit kann ich sehr viel aus meinem Bachelor-Studium ziehen. Auf diese Werkzeuge, die ich damals an die Hand bekommen habe, kann ich immer wieder zurückgreifen, ob aus den Bereichen Servicemanagement oder auch Marketing und Vertrieb.“ In Nico Gumlich steckt ein Unternehmergeist, in wenigen Jahren will er weitere Schritte auf der Karriereleiter ins gehobene Management machen. „Wer eine Karriere in der Fitnessbranche anstrebt, mehr über sich und seine Persönlichkeit erfahren möchte und hocheffektiv studieren will, für den empfehle ich das duale Bachelor-Studium an der DHfPG!“