Arbeiten 4.0 – welche Rolle spielt dabei das betriebliche Gesundheitsmanagement?

Die fortschreitende Digitalisierung in der Arbeitswelt und die damit verbundenen neuen Arbeitsformen, aber auch die veränderten Wertevorstellungen der Beschäftigten, insbesondere der Generationen Y und Z, stellen Unternehmen und deren Personalmanager vor große Herausforderungen.

BGM-Experte Oliver Walle bei "Health on Top"

Mit der DHfPG zum Gesundheitsexperten qualifizieren

Arbeiten in virtuellen Teams, Flexibilisierung in der Arbeitszeitgestaltung, eine zunehmende Forderung nach mehr Work-Life-Balance erfordern ein völliges Umdenken im Bereich der Arbeitsgestaltung. Antworten hierauf zu erhalten und dabei die Rolle des betrieblichen Gesundheitsmanagements (BGM) zu betrachten, das waren Schwerpunkte des 14. Health on Top – Kongresses am 31.05.17 in Bonn.

Thomas Sattelberger, ehemals Mitglied im Vorstand der Telekom, zeigte den Zuhörern in seinem Eröffnungsvortrag sehr eindrucksvoll die Kennzeichen und Auswirkungen der Arbeitswelt 4.0 auf und mahnte an, dass viele Unternehmen noch nicht die Zeichen der Zeit erkannt haben. Zwar gäbe es auf zahlreiche Fragen noch keine Antwort, aber es führe für die Unternehmen kein Weg daran vorbei, aus ihren starren Systemen auszubrechen und die Bedürfnisse der Mitarbeiter immer stärker zu beachten.

Neben diesem, eher in die Zukunft blickenden Vortrag, stellte Oliver Walle von der Deutschen Hochschule für Prävention und Gesundheitsmanagement/BSA-Akademie in seinem Vortrag vor, wie bei Start eines BGM auf Basis einer Status Quo-Analyse und die zurück liegende Betrachtung von Krankenständen eine Prognose für einen möglichen Return in Investment (ROI) erstellt werden kann. Genau in diesem Dilemma stecken viele BGM-Verantwortliche in Unternehmen, aber auch Dienstleister und Berater. Einerseits ist die Einführung eines BGM bei zu hohen Krankenständen, BEM-Fällen und einer alterszentrierten Belegschaft sinnvoll, andererseits muss zur Freigabe entsprechender Mittel glaubhaft der Nutzen eines solchen Vorhabens aufgezeigt werden. Ist die zuvor beschriebene Ausgangssituation vorhanden, so ist mit Kosten für ein BGM von 350 bis 500 EUR pro Mitarbeiter und Jahr zu rechnen, so Walle. Kommt es dann irgendwann zur Senkung der Krankenstände und BEM-Fälle, ist durchaus auch ein positiver ROI möglich. Möchte man eine Prognose einer möglichen Krankenstands-Entwicklung - mit und ohne BGM - und der damit möglichen ROI-Berechnung erstellen, sind folgende Kriterien von Bedeutung:

  • Verlauf Krankenstand in der Vergangenheit
  • Entwicklung Altersdurchschnitt
  • Zusammenhang Alter und Krankenstand
  • Status Quo im Unternehmen
  • Erfahrungswerte

Gerade bei einer kritischen und zahlenaffinen Geschäftsführung stellt eine solche ROI-Prognose einen wichtigen Faktor bei der Freigabe eines BGM dar.

Weiter wurden auf dem Kongress auch innovative Produkte und Dienstleistungen vorgestellt. So zeigte Anna Kaiser, Gründerin und Geschäftsführerin von Tandemploy, eine neue Art der Arbeitsverteilung auf: durch Jobsharing und flexible Arbeitszeitmodelle. Ihr Produkt ermöglicht Unternehmen eine Flexibilisierung von Arbeitsmodellen sowie den Beschäftigten eine Community zum Austausch mit Gleichgesinnten sowie zum Finden eines passenden Jobsharing-Partners.

Als Fazit bleibt es wohl spannend, ob die Arbeitswelt 4.0 das BGM in kürzester Zeit zu einem überwiegend digitalen BGM führen wird, oder ob weiterhin das Lösen von Problemen, wie zu hohe Krankenstände, noch einige Jahre primär vorherrschend sein wird.

Mit der Deutschen Hochschule zum Experten für betriebliche Gesundheitsförderung
Der duale Bachelor-Studiengang „Gesundheitsmanagement“ der DHfPG qualifiziert zum Präventionsspezialisten, der Konzepte für gesundheitsfördernde Verhaltensweisen aus den Handlungsfel-dern Bewegung, Ernährung und Entspannung/Stressmanagement plant, koordiniert und umsetzt. Im Anschluss sind Absolventen qualifiziert, Betriebliche Gesundheitsförderung im Unternehmen mit eigenem betrieblichem Gesundheitsmanagement zu steuern.