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Wirtschaftswissenschaftler mit Promotion in theoretischer Medizin

Florian Brandt leistete nach seinem Abitur zuerst seinen Zivildienst und kam dabei zum ersten Mal mit dem Gesundheitswesen in Kontakt. Mittlerweile arbeitet der 32-Jährige als Health Innovation Manager bei der IKK Südwest und hat nebenbei noch promoviert! Seine persönliche Erfolgsgeschichte hat er uns im Interview erzählt:

 

"Nach dem Abitur habe ich neun Monate Zivildienst in der Großküche eines Krankenhauses in Heidelberg geleistet. Danach wurde ich noch für ein halbes Jahr im sogenannten Versorgungsdienst – ein Hilfsdienst für die Pflegekräfte auf Station – weiterbeschäftigt."

Im Anschluss ging die Suche nach einem passenden Studiengang los: Der gebürtige Berliner bewarb sich für verschiedene Studiengänge, unter anderem an der Universität des Saarlandes (UdS). "Ich fand den Studiengang Wirtschaft und Recht interessant, da dieser sowohl ökonomische als auch juristische Inhalte umfasst." Florian Brandt bekam schließlich den erhofften Studienplatz und entschied sich nach dem Bachelorstudium dazu, den Studiengang auch im Master zu belegen.

Schwerpunkt im Master

Zu Beginn seines Masterstudiums musste er sich für einen Schwerpunkt entscheiden. "Zuerst tendierte ich in Richtung Wirtschaftsprüfung. Nachdem ich die Vorlesung 'Management des Gesundheitswesens' von Prof. Dr. Martin Dietrich besuchte, der auch an der DHfPG dozierte, wählte ich jedoch diesen Schwerpunkt. Darin ging es unter anderem um das Zusammenspiel der Akteure des Gesundheitswesens unter besonderer Berücksichtigung ökonomischer Aspekte, aber auch um medizinische oder ethische Fragestellungen. Das fand ich sehr vielseitig und spannend!"

Vom Praktikum bei der IKK Südwest zum Health Innovation Manager 

Gegen Ende seines Studiums absolvierte Florian Brandt ein Praktikum bei der IKK Südwest. "Mir hat es so gut gefallen, dass ich auch nach dem Praktikum auf 450-Euro-Basis dort weitergearbeitet habe. Dann bekam ich ein Angebot für eine Festanstellung."

Mittlerweile arbeitet Florian Brandt als Health Innovation Manager im Bereich Versorgungsmanagement. "Zur Etablierung neuer Versorgungskonzepte arbeite ich mit Ärzten, Kliniken, Wissenschaftlern, anderen Krankenkassen und weiteren Innovatoren im Gesundheitswesen zusammen. Im Jahr 2017 haben wir uns z. B. mit verschiedenen Akteuren aus der Onkologie zusammengeschlossen und um eine Projektförderung durch den Innovationsfonds beworben."

Der Innovationsfonds stellt seit 2016 finanzielle Mittel zur Förderung innovativer Ansätze im Gesundheitswesen bereit. Das Projekt PIKKO (Patienteninformation, -Kommunikation und Kompetenzförderung in der Onkologie) wurde schließlich vom Innovationsfonds des G-BA zur Förderung ausgewählt und unter Leitung der IKK Südwest umgesetzt.

"Forschung und Praxis gehen in meiner täglichen Arbeit Hand in Hand. Wir führen verschiedene Studien durch und setzen neue Versorgungsangebote in Modellprojekten um. Es gibt beispielsweise ein innovatives OP-Verfahren für pharmakoresistente Epilepsiepatienten. Diese OP war vorher nur im Ausland möglich und wird durch einen Innovationsvertrag mit der Uniklinik in Frankfurt nun auch in Deutschland durchgeführt. Insgesamt bekommen wir viele Ideen zur Weiterentwicklung des Gesundheitswesens aus den unterschiedlichsten Bereichen. Diese kritisch zu prüfen, gemeinsam weiterzuentwickeln, praktisch umzusetzen und wissenschaftlich zu begleiten, ist meine Arbeit. Hierbei beschäftigen mich sowohl medizinische und ökonomische als auch juristische Fragestellungen – z. B. 'Bringt eine Innovation für bestimmte Patienten einen gesundheitlichen Mehrwert?', 'Inwiefern können Krankheitskosten durch eine Innovation eingespart werden?' oder 'Wie kann ein innovatives Versorgungskonzept rechtskonform umgesetzt werden?'."

Graduiertenprogramm der Deutschen Hochschule

Bereits während des Masterstudiums stellte sich Florian Brandt die Frage, ob er im Anschluss promovieren will. Schließlich schaute er sich in Deutschland nach Lehrstühlen im Bereich Gesundheitsökonomie um. Dabei stieß er eher zufällig auf die DHfPG. "Ich wurde durch den Tipp eines Kollegen auf das Graduiertenprogramm der DHfPG aufmerksam und habe mich auf deren Webseite hierüber informiert. Nachdem ich mir die Themenliste durchgelesen hatte, habe ich nicht lange gezögert und mich beworben. Für mich war auch ausschlaggebend, dass ich weiterhin bei der IKK Südwest bleiben konnte." 2019 startete er schließlich seine Promotion bei Prof. Dr. med. Erich-Franz Solomayer, Direktor der Frauenklinik an der Medizinischen Fakultät der Universität des Saarlandes (UdS).

"Ursprünglich hatte ich mich für ein physiotherapeutisches Thema beworben. Dabei ging es um den Vergleich zweier Arten des Beckenbodentrainings für Frauen, die unter einer Belastungsinkontinenz leiden. Die Studie sollte in Kooperation mit der Kieser Training AG stattfinden, durch die Corona-Pandemie kam das aber leider nicht zustande."

Ein anderes Thema fand sich jedoch schnell: "Zur Ergebnismessung in medizinischen Studien werden oft wissenschaftlich geprüfte, standardisierte Patientenfragebögen verwendet – sogenannte Patient-Reported Outcome Measures. Auf der Suche nach geeigneten Messinstrumenten für die ursprünglich geplante Studie fiel auf, dass zwei wichtige Inkontinenzfragebögen bislang nicht für den deutschen Sprachraum evaluiert wurden, also machten wir das zur Studie."

Studie in Zusammenarbeit mit der IKK Südwest

Florian Brandt führte die Studie in Zusammenarbeit mit der IKK Südwest durch. "Die Inkontinenzfragebögen wurden systematisch übersetzt, zusammen mit weiteren Fragen in ein Online-Befragungstool eingespeist und an zufällig ausgewählte Versicherte der IKK Südwest gesendet. Schließlich nahmen über 200 Patientinnen an der Befragung teil, wovon 161 die Teilnahmekriterien der Studie erfüllten und deren Bögen somit verwertet werden konnten."

Zur Auswertung der Fragebögen gibt es verschiedene Verfahren. "Wir nutzten gängige Methoden der Psychometrie und gingen unter anderem der Fragestellung nach, wie hoch die diagnostische Genauigkeit eines der Inkontinenzbögen bei der Abgrenzung zwischen den zwei häufigsten Inkontinenzformen ist. Dies und die Prüfung weiterer psychometrischer Gütekriterien machte die Arbeit zu einem sehr schönen Thema für Freunde angewandter Statistik." Die Ergebnisse wurden in zwei renommierten gynäkologischen Fachzeitschriften – Archives of Gynecology and Obstetrics und Journal of Gynecology Obstetrics and Human Reproduction – veröffentlicht.

Letzten Monat fand schließlich seine Disputation, also die mündliche Abschlussprüfung im Rahmen der Promotion, statt. "Die Prüfung war erfolgreich und die Promotion wurde insgesamt mit 'magna cum laude' bewertet. Darüber habe ich mich natürlich sehr gefreut!"

Die DHfPG gratuliert zu diesem tollen Ergebnis!